Türkische Teezeremonie

Verfasst am Donnerstag, 6. November 2008

Vermutlich kam der Tee mit den Reisenden auf der Seidenstraße ins Osmanische Reich, darauf deutet zumindest das Wort "Çay" hin, das im Türkischen für Tee verwendet wird. Das Wort ist dem chinesischen "Cha" als Bezeichnung für Tee sehr ähnlich.

Erste Versuche, Tee anzubauen, fanden 1888 im Osmanischen Reich rund um die Stadt Bursa statt. Der Versuch brachte keinen dauerhaften Erfolg und ein zweiter Anlauf 1892 war ebenfalls nicht erfolgreich, was vermutlich am Klima lag. 1917 reiste eine Gruppe Türken ins benachbarte Georgien, um sich den dort erfolgreichen Teeanbau anzusehen. Ausgestattet mit neuen Teesamen und dem Wissen, dass die klimatischen Bedingungen am schwarzen Meer denen in Georgien ähnelten, kehrte die Expedition heim. Kaum zu glauben: weltweit liegt die Türkei auf Platz fünf der teeproduzierenden Nationen.

Da die Türkei aber einen sehr hohen Eigenverbrauch hat, wird kaum etwas davon exportiert. Das größte türkische Teeanbaugebiet befindet sich am schwarzen Meer in der Provinz Rize. Hier wird der Rize-Çay angebaut, aus dem ein Schwarzer Tee mit kräftigem Aroma und rötlicher Tassenfarbe hergestellt wird.

Wie in den meisten Tee trinkenden Nationen hat sich auch in der Türkei eine bestimmte Art des Teetrinkens etabliert. Diese ähnelt der russischen Teezubereitung mit dem Samowar. Allerdings nennen die Türken das Gerät Semaver, aber das Prinzip ist das Gleiche. Der Semaver wird mit Wasser gefüllt, das über einen Innenschacht entweder mit Kohle oder, bei neueren Geräten, mit elektrischem Strom beheizt wird. Eine zweite, kleine Porzellankanne enthält das Teekonzentrat. Sie wird auf den größeren Semaver gesetzt und durch diesen beheizt.

Pro Glas gibt man einen Teelöffel Tee in die kleine Porzellankanne und fügt zum Schluss noch einen hinzu. Dann wird der Tee kurz mit lauwarmem Wasser durchgespült, so dass er kurz ziehen kann während in der unteren Kanne das Wasser erhitzt wird. Da beide Kannen aufeinander stehen, wird der Tee in der oberen Kanne mit erhitzt. Dann wird mit heißem Wasser aus der unteren Kanne aufgefüllt. Nach etwa einer viertel Stunde ist das Teekonzentrat fertig und wird durch ein Teesieb in ein Glas geschüttet. Je nachdem, wie stark man den Tee möchte, füllt man das Glas mit heißem Wasser aus dem Semaver auf. Meistens wird der Tee stark gezuckert, da das Konzentrat sehr stark ist. Die Zubereitung mit dem Semaver wird häufig im Çay Bahçesi, dem türkischen Teegarten, angewandt.

In vielen privaten Haushalten wird der Tee mit dem kleineren Çaydanlik zubereitet. Hierbei ist die untere Kanne nicht beheizt, sondern wird einfach auf den Herd gestellt.

Einen Kommentar schreiben

Nur registrierte Kunden können Bewertungen abgeben. Bitte melden Sie sich an oder registrieren Sie sich