Teetrinken wie die Ostfriesen

Verfasst am Freitag, 16. Mai 2008

Die Engländer trinken den meisten Tee? Denkste! Würden sie in eine offizielle Statistik zum Teekonsum aufgenommen, würden die Ostfriesen die Briten um Längen schlagen. Fast 300 Liter pro Kopf werden im Jahr an der deutschen Küste zwischen Jadebusen und Dollart getrunken.

Dabei haben die Ostfriesen im Laufe der Zeit eine ganz eigene "Teezeremonie" entwickelt, die der japanischen in nichts nachsteht. Zwar kultivieren die Ostfriesen die Teezubereitung noch nicht ganz so lange wie die Chinesen oder Japaner, aber auf immerhin 300 Jahre bringt es die deutsche Volksgruppe.

Die Ostfriesen orientieren sich bei der Menge der Teeblätter für den Aufguss nicht an der Menge Wasser, mit welcher der Tee aufgegossen werden soll, sondern an der Anzahl der beteiligten Teetrinker. Für jeden Gast wird ein Teelöffel Tee abgemessen, meist kommt noch ein Löffel "für die Teekanne" dazu. Zuerst gibt man zu der abgemessenen Menge Tee gerade soviel Wasser, dass die Blätter bedeckt sind. Aufgegossen wird nach dem Ziehen des Tees mit soviel Wasser, wie später Tassen ausgeschenkt werden sollen. Damit ist man aber lange noch nicht fertig, denn auch an das Teezubehör werden besondere Anforderungen gestellt. Ostfriesen würden ihren Tee nie aus Bechern oder großen Kaffeepötten trinken. Echte ostfriesische Teetassen sind dünnwandig, klein und gedrungen. Weitere unverzichtbare Utensilien sind der Sahnelöffel, dessen Stiel rechtwinklig verlaufen muss und ein Stövchen zum warmhalten.

Gleich zu Beginn wird ein Stück Kandis in den Tee gegeben. Man sollte allerdings gegenüber einem Ostfriesen nicht von Kandis reden. Der Kenner sagt, wie die Einheimischen auch, Kluntje. Als nächstes kommt die Sahne in den Tee. Mit dem speziellen Sahnelöffel kreisen Kenner am Tassenrand entlang und lassen die Sahne dabei langsam in den Tee tropfen. Dabei geht man immer entgegen dem Uhrzeigersinn, weil dadurch symbolisch die Zeit angehalten werden soll. Durch die Sahne bilden sich die typischen Wölckchen, umgerührt wird der Tee nicht. Legt man den Löffel in die Tasse, signalisiert man damit seinem Gastgeber, dass man keinen Tee mehr möchte.

Die Teetieden, wie die Ostfriesen ihre Teepausen nennen, sind wirklich zum ausspannen und erholen da. Der Tee wird in drei Abschnitten getrunken, wobei der Bodensatz durch das Stück Kluntje extrem süß ist. Vier von diesen Pausen gönnt sich der echte Ostfriese davon täglich, Tee ist also kein Getränk für zwischendurch, sondern soll bewusst genossen werden.
Ostfriesentee besteht immer aus einem kräftigen Schwarzen Tee, zum Beispiel einem Schwarzer Assam Tee, der mit anderen Schwarzteemischungen gemischt wird.

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