Teetrinken in Russland

Verfasst am Samstag, 14. Juni 2008

Russland ist eine der größten Teetrinkernationen der Welt. Wen wundert es? Die langen kalten Winter lassen sich mit einem heißen Glas Tee weitaus besser überstehen.
Schon während der Zarenzeit trank man in Russland viel Tee, auch wenn die Beschaffung am Anfang beschwerlich war.

Der klassische Samowartee (Russischer Karawanentee mit Rauchgeschmack) kam aus China und musste mühsam mit Karawanen durch Sibirien nach Moskau und St. Petersburg gebracht werden. Die sogenannten Karawanentees zeichneten sich durch einen kräftigen und rauchigen Geschmack aus. Die russische Mischung, wie man sie heute kennt, entstand, als sich Russland dem Westen öffnete. Die Russen lernten die von den Holländern und Briten eingeführten indischen und ceylonesischen Teesorten kennen und schätzen. In den russischen Handelskontoren wurden diese Tees mit den bereits bekannten Karawanentees gemischt. Heute wird die russische Mischung auch außerhalb von Russland geschätzt.

Unverzichtbar für den russischen Teegenuss ist der Samowar. Die Zubereitung von Tee mit diesem Gerät ist eine Kunst für sich. Allerdings wird der klassische Holzkohlesamowar heute immer mehr von elektrisch beheizten Samowaren abgelöst.

Im wesentlichen besteht ein Samowar aus einem beheizbaren Wasserkessel und einer kleinen Teekanne, in der sich der Teeaufguss befindet. In dem unteren Wasserkessel befindet sich ein Heizrohr, durch welches das Wasser erhitzt wird. Als erstes gibt man ein paar Holzspäne oder etwas Brennpaste in das Rohr und entzündet das Material mit einem Streichholz. Dann wird entsprechend des Wasserstands mit Holzkohle aufgefüllt. Damit die Holzkohle gut brennt, wird jetzt meistens noch ein Schornstein aufgesteckt. Er wird entfernt, sobald das Wasser kocht. Im Laufe der Zeit können sowohl Kohle als auch Wasser nachgefüllt werden.

Der Teeaufguss wird sehr stark zubereitet, da er hinterher mit heißem Wasser aus dem Wasserkessel verdünnt wird. Auf einen Liter Wasser werden bis zu 20 Teelöffel loser Tee gegeben. Die Ziehzeit beträgt, wie bei Schwarzem Tee üblich, 3 Minuten. Nach dem Ziehen wird der Tee durch ein Teesieb in die kleine Kanne umgefüllt und zum Warmhalten auf den Samowar gesetzt. Der Teeaufguss in der kleinen Kanne wird Tscheinik genannt.

In Russland wird Tee selten aus Porzellan getrunken, meistens nimmt man Gläser mit einer Halterung aus Metall. Jeder Gast nimmt sich ein bisschen von dem Tscheinik und gießt ihn, meist im Verhältnis 1:3, mit heißem Wasser aus dem Wasserkessel auf.

Auch das Süßen des Tees verläuft bei den Russen sehr speziell. Gesüßt wird mit Warenije, einer Konfitüre aus Früchten. Gekonnte Teetrinker nehmen erst einen Löffel davon in den Mund und lassen dann den heißen Tee darüber laufen.

Einen Kommentar schreiben

Nur registrierte Kunden können Bewertungen abgeben. Bitte melden Sie sich an oder registrieren Sie sich