Teeanbaugebiet Russlands

Verfasst am Freitag, 5. Oktober 2007

Ein russisches Sprichwort heißt: "Wo es Tee gibt, da ist das Paradies."

Russland hat eine lange Tee-Tradition. Diese begann schon lange vor dem Beginn des modernen Teeanbaus. Der klassische Samowartee wurde viele Jahrzehnte lang auf beschwerlichem Landweg von China aus nach Russland und von dort aus nach Mittel- und Westeuropa gebracht. Man nannte ihn deshalb auch "Karawanentee".

In Russland wird der Tee in einem Samowar zubereitet. Dies ist ein spezieller Kessel, welcher mit Holzkohle beheizt wird und mit einem Zapfhahn verschließbar ist. Der Samowar ist aus Russlands Teekultur nicht wegzudenken. Er wird übrigens auch in der Türkei und im Iran verwendet.

Zu Zarenzeiten, als in den russischen Großstädten der Blick auf westliche Sitten gerichtet wurde, interessierte man sich auch für die Teesorten, welche bei den Briten und Holländern bevorzugt wurden. So kamen um die Jahrhundertwende indische und ceylonesische Teesorten nach Russland, welche dann mit den klassischen Karawanentees gemischt wurden. Das Ergebnis waren die bis heute geschätzten "Russischen Mischungen", bestehend aus je zur Hälfte Anteilen aus Ceylon High Growns und China Black gemischt. Da der Bedarf an Tee immer schneller wuchs, versuchte man im eigenen Lande, in den südrussischen Provinzen, selbst Teepflanzen anzubauen, um die teuren Importe ablösen zu können. Um 1870 hatte der Zar an der grusinischen Schwarzmeerküste (heute Abchasien) die ersten Teegärten anlegen lassen. Aber weder die Menge noch die Qualität reichten aus, um den wachsenden Verbrauch besser abdecken zu können. Deshalb versuchte man den Teeanbau im Kaukasusvorland und den anliegenden Bergprovinzen (jetzt Aserbaidshan, Dhagestan, Armenien).

Später verstaatlichte die Sowjetregierung alle im Zarenbesitz befindlichen Teegärten. Sie wurden in den 60er und 70er Jahren extensiv weiterbewirtschaftet. Dadurch gehörte die Sowjetunion zu den größten Erzeugerländern von Schwarztee. Tee (auf russisch Tschaj) war Volksgetränk Nummer Eins geworden. Bei einer Tasse Tee am pfeifenden Samowar saßen die Leute friedlich vereint und vergaßen den tristen Alltag. Zum Tee gab es meist eine fruchtige, süße Konfitüre. Mit dem Niedergang der Sowjetunion setzte jedoch auch ein Niedergang dieser nationalen Teekultur ein. Alle Teeplantagen außerhalb Zentralrusslands wurden Opfer der neuen Politik, die von Bürgerkriegswirren und Separationsbestrebungen der verschiedenen Länder bestimmt war.

In Grusinien und Abchasien wurden alle Teeplantagen durch die Kriegseinwirkungen zerstört. Hier kam die Produktion gänzlich zum Erliegen. In der kaukasischen Region ging die Teeproduktion dramatisch zurück aufgrund fehlender technischer und logistischer Kapazitäten. Außerdem kam noch hinzu, dass die einheimischen Sorten durch Importe verdrängt wurden, da der bis dahin abgeschottete Binnenmarkt für Tees aus Sri Lanka, Indien und China geöffnet wurde. Die fruchtbare Landschaft zwischen Kaukasus dem Schwarzem Meer, das Kuban-Gebiet, ist das nördlichste Teeanbaugebiet der Welt, was vor allem für Teeliebhaber interessant sein dürfte.

Aus heutiger Sicht spielt Russland als Teeproduzent keine wichtige Rolle mehr. Wegen der geringen Qualität ist Tee aus Russland und Grusinien nur noch selten im Handel. Trotzdem wird in vielen Haushalten Deutschlands Tee nach russischer Art (aus dem Samowar) mit wachsender Beliebtheit getrunken. Dazu isst man süßes Gebäck, Konfekt oder Torte.

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