Tea-Taster

Verfasst am Montag, 2. Februar 2009

Haben Sie sich eigentlich schonmal Gedanken darüber gemacht, durch wie viele Hände der Tee geht, bis er schließlich in Ihrer Tasse landet? Natürlich, da sind die Menschen, die Camellia Sinensis anbauen, ernten und die Blätter dann weiterverarbeiten. Abgepackt und transportiert werden muss der Tee dann auch noch. Nicht zu vergessen die Teeverkäufer und Teeverkäuferinnen, die den in kleinen Päckchen an den Mann oder die Frau bringen. In dieser langen Reihe fehlt ein wichtiges Glied. Menschen, deren Arbeit man nicht sieht und von denen man bestenfalls weiß, dass es sie gibt: die Tea-Taster. Trotzdem leisten sie einen wichtigen Beitrag zum letztendlichen Teegenuss.

Foto: Tea-Taster bei der Verkostung
Tea-Taster bei der Verkostung | © teeverband.de

Abhängig von Ursprungsland, Anbaugebiet und Erntezeitpunkt variieren Geschmack, Geruch und Farbe des Tees im späteren Aufguss. Diesen natürlichen Schwankungen zum Trotz möchten die Kunden eine gleichbleibende Qualität ohne Abweichungen im Geschmack. Diese schwierige Aufgabe erledigen die Teataster. Sie testen die verschiedenen Ernten von unterschiedlichen Plantagen und suchen die Besten aus. Über das ganze Jahr hinweg mischen die Tea-Taster verschiedene Tees zusammen, um im Endeffekt einen gleichbleibenden Geschmack und einen stabilen Preis zu erreichen.

Foto: Auktions-Verkostung, Kolkata/Indien
Auktions-Verkostung, Kolkata/Indien | © teeverband.de

Die Grundlage für diesen Beruf bildet meistens eine kaufmännische Ausbildung, da die Tea-Taster später mit den Lieferanten verhandeln müssen und den Tee teilweise auf den großen Teeauktionen einkaufen. Die Ausbildung erfordert viel Geduld und der Beruf bedeutet Verzicht. Tabu ist für Tea-Taster alles, was die Geschmacksnerven beeinflusst: scharfe Gewürze, Kaffee, Nikotin und starke alkoholische Getränke. Erst nach sieben Jahren ist ein Tea-Taster so weit, dass er alle Teesorten benennen kann.
Für das Tasting gibt es bestimmte Regeln und einen vorgegebenen Ablauf. Zuerst werden die Teeproben auf einem langen Tisch nebeneinander aufgestellt. Für die Zubereitung werden genau 2,86 Gramm von jeder Probe abgewogen und in einen sogenannten Tea-Tasters Cup gegeben. Dabei handelt es sich um spezielle Porzellanbecher mit einem Deckel. Die Proben werden dann mit frisch aufgekochtem Wasser überbrüht. Nach fünf Minuten Ziehdauer wird der Aufguss, den die Fachleute Batch nennen, in eine Porzellanschale umgefüllt. Das alles ist nötig, um bei jedem Aufguss möglichst ähnliche Bedingungen zu schaffen.

Foto: Verkostung
Verkostung | © teeverband.de

Bevor der Tea-Taster sich dem Aufguss zuwendet, begutachtet er zuerst die Infusion, das heißt den Teesatz. Beurteilt werden Farbe, Geruch und Konsistenz. Dann erst wird der eigentliche Tee verkostet. Mit einem Löffel wird ein bisschen Tee entnommen und eingeschlürft. Dabei gelangt Sauerstoff in den Mund und der Geschmack des Tees wird intensiver. So kann der Tea-Taster die verschiedenen Geschmacksnuancen besser erfassen. Wegen der Menge der Proben wird die Probe anschließend in einen Spittoon aus Kupfer gespuckt. Hat der Tea-Taster sich für eine Charge entschieden, bekommt er ein sogenanntes Offert-Muster. Das Verschiffungsmuster wird vor der Abreise des Tees im Heimatland genommen und eine letzte Probe wird am Bestimmungsort gezogen. Diese dient zum Abgleich mit dem ursprünglichen Kaufmuster und soll helfen, Unstimmigkeiten über die gelieferte Ware zu beseitigen.