Geschichte der Pflanzenheilkunde

Verfasst am Montag, 1. Juni 2009

Wir fangen mit der Geschichte bei dem ersten Kräuterbuch an. Natürlich haben die Menschen auch schon vorher mit Kräutern experimentiert und geheilt, aber darüber gibt es fast keine Niederschriften.

Die Geschichte der Pflanzenheilkunde beginnt in China. Vor ca. 3000 Jahren vor Christus lebte der Kaiser Shen-Nung. Dieser verfasste das erste Kräuterbuch. Man nannte Shen-Nung den roten Kaiser. Sein Kräuterbuch enthielt bereits 365 Präparate mit ihren Wirkungen. Angeblich hat er alle Kräuter an sich selbst getestet, bevor er sie für sein Volk zugelassen hat. Unter diesen 365 Präparaten waren auch Hyoscyamin (das Gift im Stechapfel), Opium und Cannabis. Die Süßholzwurzel beschrieb Shen-Nung so: Ein Mittel zur Stärkung von Muskulatur und Knochen. Glättend für die Haut und wirksam als Antidot (Gegengift zu Giften). Dieses Buch war die Grundlage für viele weitere chinesische Kräuterbücher.

Wir reisen nach Indien. Hier beginnt 1000 v. Chr. die Ayurveda-Medizin. Sie basiert auf den fünf Körperelementen: Feuer, Wasser, Himmel, Erde, Luft. Übersetzt heißt Ayurveda Lebensweisheit. Unterteilt sind die sogenannten Doshas noch heute in Vata (Wind, Luft und Äther, Pneuma), in Pitta (Feuer und Wasser, Chole) und in Kapha (Erde und Wasser, Phlegma). Zu der ayurvedischen Heilkunde gehören wichtige Grundempfehlungen, wie: nur bei Hunger essen, keine Zwischenmahlzeiten, die Hauptmahlzeit mittags einnehmen, zwischen den Mahlzeiten drei Stunden Ruhe, nicht satt essen, frische Lebensmittel essen, bei unruhiger Gemütsverfassung gar nicht essen, Wasser und Kräutertees trinken und alle fünf Geschmacksrichtungen sollten in jeder Mahlzeit enthalten sein. Es gibt mehrere bekannte Aufzeichnungen, z.B. der "Srimad Bhagavata Purana".

Jetzt reisen wir nach Griechenland, wo wir auch ein Weilchen bleiben werden. Hier gab es nämlich so einige wichtige Menschen, die die Pflanzenheilkunde für sehr wichtig hielten und von denen noch heute die Rede ist.

Zuallererst Hippokrates von Kos, der 470 v. Chr. geboren wurde. Hippokrates gilt als der berühmteste Arzt des Altertums. Er war ein Wanderarzt und gilt als Begründer der Medizin als Wissenschaft. In der frühen Kaiserzeit trugen koische Bronzemünzen sein Bildnis. Hippokrates hat mindestens 61 Schriften verfasst und diese sind als "Corpus Hippocraticum" bekannt sind. Ob er alle Schriften selbst verfasst hat, kann man leider heute nicht mehr sagen. Aber alle waren Schriften über seine Pflanzenheilkunde und Medizin. Bekannt ist immer noch der "Eid des Hippokrates", der mittlerweile nicht mehr von den Ärzten geleistet wird.

Sehr bekannt ist auch Aristoteles. Dieser wurde im Jahr 384 v. Chr. geboren und er beschäftigte sich wissenschaftlich mit der Pflanzenwelt. Sein Hauptwerk ist "Über Pflanzen". Aristoteles ging den Fragen nach, ob Pflanzen eine Seele haben und ob es eine pflanzliche Geschlechtigkeit gibt. Aristoteles war hauptsächlich ein Philosoph.

Theophrast von Eresos schrieb das botanische Werk "Geschichte der Pflanzen". Er wurde 372 v. Chr. geboren und war der erste wissenschaftliche Botaniker. Er war ein Naturforscher und Schüler von Aristoteles. Er leitete einer der Schulen von Aristoteles und leitete eine Schule mit ca. 2000 Schülern. Er hat insgesamt etwa 200 Schriften verfasst und wurde 85 Jahre alt. Sein Werk "Geschichte der Pflanzen" beruhte nicht auf eigenen Untersuchungen, sondern war eine Zusammenstellung von dem Wissen und Berichten verschiedener Landwirte, Reisende, Holzhauern und Kohlenbrennern. Er erkannte die Grundregeln des Waldbaus.

Pedanios Dioskurides ein Arzt aus Neros Heer schrieb ein Werk mit ca. 1000 Arzneimitteln. Dies geschah ca. 77 n. Chr. Dioskurides ist der berühmteste Pharmakologe des Altertums. Er war ein Praktiker und schrieb aufgrund von Autopsie und dem Wissen mehrerer älterer Werke sein eigenes umfangreiches Werk. Das "De materia medica", in fünf Büchern. Er hat 4740 medizinische Anwendungen beschrieben und die 5 Bücher in die Hauptteile Genussmittel und pflanzliche Nahrungsmittel, tierische Stoffe, unmittelbare Arzneistoffe, Getränke (Weine) und Mineralien unterteilt. Dioskurides Werke waren der Leitfaden für über 1600 Jahre danach im Orient. Es war eines der einflussreichsten Werke überhaupt in der Geschichte der Medizin und Pharmakologie.

Plinius der Ältere schrieb die Naturgeschichte in 37 Büchern. Leider ist er 79 n. Chr. in Pompeji beim Vesuvausbruch ums Leben gekommen. Er wurde im Jahre 23 n. Chr. geboren. Seine Enzyklopädie "Naturalis historia" war sein einziges Werk. Das Werk beinhaltet über 20.000 wichtige Fakten aus den Bereichen Botanik, Arzneien, Medizin, Kunstgeschichte, Anthropologie, Geographie, Kosmologie, Metallverarbeitung, menschliche Physiologie, Mineralogie, Schöne Künste und Zoologie. Ein Teil wurde im Jahr seines Todes veröffentlicht, der Rest erst danach.

Galenos von Pergamon, der 131 n. Chr. geboren wurde, war Leibarzt von Kaiser Marc Aurel. Er fasste in dem Werk "Vater der Pharmazie" die gesamte antike Medizin zusammen. Während der Olympischen Spiele konnte er die gut durchtrainierten Athleten studieren und akute Verletzungen beobachten. Er beschäftigte sich hauptsächlich mit Medizin und reiste viel.

Kommen wir nun nach Mitteleuropa wo Karl der Große die Landgüteordnung "Capitulare de villes vel curtis imperii" verfasst hat. Karl der Große, geboren 747 n. Chr., ordnet den Anbau von 89 Heil- und Nutzpflanzen für das Frankenreich an. Darin sind 73 Nutzpflanzen einschließlich Heilkräutern und 16 verschiedene Obstbäume beschrieben. Einige moderne Gärten sind nach dem "Capitulare" heute angelegt.

Jetzt wandern wir ein klein wenig weiter nach Arabien. Hier ist vom 8. bis 13. Jahrhundert die Hochblüte der arabischen Medizin. Synthese der persischen, indischen und abendländischen Heilkunde mit wichtigen eigenen Beiträgen. Die beiden bekannten Ärzte Rhazes und Avicenna wären hier zu erwähnen. Die Heilkunde aus Arabien hat einen sehr großen Einfluss auf Europa. Rhazes begann erst im Alter von 30 Jahren sein Medizinstudium. Später gründete er ein Forschungsinstitut. Er war Arzt, Alchemist und interessiert in Naturphilosophie. Er war Autor von zahlreichen medizinischen Büchern. Er veröffentlichte 183 Bücher und Textbeiträge im Bereich der Wissenschaft und der Philosophie. Avicenna war auch ein berühmter persischer Arzt, aber er ging ein wenig mehr in die Richtung der Mathematik. Er war neben Arzt, Physiker, Philosoph, auch Jurist, Mathematiker, Astronom und Alchemist. Er verfasst im Alter von 21 Jahren sein erstes Buch. Seine beiden Hauptwerke waren Sifa und Qanun.

Nun kommen wir nach Deutschland. In Deutschland war es eine Frau, die als erste sich einen Namen im Bereich der Pflanzenkunde machte. Äbtissin Hildegard von Bingen, die um 1100 geboren wurde. Sie verwendete erstmals in ihrem Buch "Physika" deutsche Pflanzennamen (z.B. Huflattich). Zu ihrer Zeit gab es kein wissenschaftliches Medizinstudium, alle Ärzte waren Klostermediziner oder Wunderheiler. Sie hatte ein umfangreiches Wissen über Krankheiten und Pflanzen und brachte diese aus der griechisch-lateinischen Tradition mit der Volksmedizin zusammen. Sie bezog auch Edelsteine und Metalle mit ein. Hildegard von Bingen war eine der bedeutendsten Frauen des Mittelalters und auch heute noch wird viel von ihrem Wissen in unserer Neuzeit-Kräuterheilkunde verwendet. Und das mit gutem Recht.

Kaiser Friedrich II. schaffte mit seiner Medizinalverordnung den Apothekerberuf im Herbst 1231. Er war römisch-deutsche Kaiser seit 1196. Er war ein Sprachtalent und sprach neben Italienisch auch Latein und Deutsch, hatte Grundkenntnisse in der arabischen Sprache, verstand Französisch und etwas Griechisch.

Jetzt machen wir einen Sprung und kommen zu den bebilderten Kräuterbüchern. Diese entstanden bereits im 16. Jahrhundert. Brunfels, Fuchs und Bock sind einige wichtige. Otto Brunfels stützte seine botanischen Schriften nicht nur auf die Schriften aus dem Altertum, sondern beobachtete Pflanzen selber und beschrieb seine eigene Anschauung. Er ließ in seinen Kräuterbüchern "Herbarum vivae icones" und "Contrafayt" die Pflanzen in Holz schneiden und unter die Abbildungen die deutschen Namen setzen. Leonhart Fuchs, im Jahre 1501 geboren, war ein pflanzenkundiger Mediziner. Er studierte in Erfurt Naturlehre und Philosophie und an der Universität Ingolstadt danach Griechisch, Latein und Hebräisch. Dann erst begann er sein Medizinstudium. 1924 wurde er Doktor der Medizin. Er verfasste über 50 Bücher und Streitschriften. Mit dem in lateinischer Sprache geschriebenen Werk "Historia Stirpium commmentarii" sein erstes Kräuterbuch im Jahre 1542. 1543 übersetzte er das höchst einflussreiche "New Kreüterbuch" ins Deutsche. Hier werden über 400 europäische und 100 exotische Pflanzen mit Holzschnitten dargestellt. Für sein Werk "Historia" mit über 1500 Pflanzenbildern fand er keinen Verleger, dieses landete nach seinen Tod in Wien in der Österreichischen Nationalbibliothek und ist dort noch vollständig erhalten. Hieronymus Bock, geboren 1498, war ein deutscher Botaniker und Arzt. Otto Brunfels war es, der Hieronymus Bock dazu drängte sein Kräuterbuch zu veröffentlichen. Seine Beschreibungen zu den Heilpflanzen waren bereits sehr genau und zutreffender als in anderen Büchern. Die Riesling-Rebe wurde hier zum ersten Mal beschrieben.

Valerius Cordus im Jahre 1515 geboren, schrieb das erste amtliche Arzneibuch nördlich der Alpen. Es war gültig für Nürnberg. Das Buch "Dispensatorium pharmacorum omnium, quae in usu potissimum sunt" beschrieb die Destillation von Kräutern und Säuren. Leider starb Cordus schon im Alter von 29 Jahren an den Folgen eines Unfalls.

In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurde Paracelsus bekannt. Er war ein großer Naturforscher und Arzt. Er beobachtete nicht nur, sondern experimentierte auch. Zeitlose Gültigkeit hat sein Ausspruch: "Alle ding sind gift und nichts ist on gift; allein die dosis macht, das ein ding gift ist." Paracelsus hieß mit richtigem Namen Philippus Theophrastus Aureolus Bombastus von Hohenheim. Er war auch Alchemist, Astrologe, Mystiker, Laientheologe und Philosoph. Er hat die Medizin in einem ganz anderen Licht gesehen, denn er sagte, dass jede Krankheit sich auf eine oder mehrere Ursachen bezieht. So kann die Wirkung eines Giftes mit einer schwachen Konstitution verstärkt werden. Es müssen immer die fünf Entia (Gestirnsflüsse, Gift, Konstitution, Geister und Gott) berücksichtigt werden. Er verfasste 14 medizinische Schriften.

Der Apotheker Friedrich Wilhelm Adam Sertürner gewinnt 1806 aus Opium Morphin und damit das erste Alkaloid. Den Namen Morphium hat er nach dem griechischen Gott des Traumes Morpheus gewählt. Seit 1928 wird die Sertürner-Medaille für Verdienste in der pharmazeutischen Wissenschaft verliehen.

Nun reisen wir noch einmal und zwar nach England. Hier entdeckte der Mediziner Alexander Fleming 1928 das Penicillin. Auch entdeckte Fleming das Lysozym, was hier auch erwähnt werden sollte. Er wurde 1881 geboren und war ein schottischer Bakteriologe. Für die Entdeckung des Penicillins erhielt er den Nobelpreis. Ab 1945 konnte jeder Penicillin auf Rezept kaufen. Es war noch ein langer Weg bis dahin. Fleming erkannte in seinen Forschungen nicht, dass Penicillin in der Blutbahn gegen Infektionen wirken kann. Daher glaubte er nicht an eine große Wichtigkeit des Penicillins.

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