Aromatisierter Tee

Verfasst am Sonntag, 16. November 2008

Auch wenn manche Puristen die Nase rümpfen und nur unaromatisierte Tees als einzig wahren Teegenuss gelten lassen, so hat aromatisierter Grüner Tee und aromatisierter Schwarzer Tee doch eine lange Tradition. Vor über 800 Jahren begannen die Chinesen, den Tee mit Gewürzen zu aromatisieren, eine Tradition, die sich vor allem in Indien in Form der Chai-Gewürztees gehalten hat. Etwas später begannen die Chinesen dann, ihren Tee mit Rosenblüten oder Jasminblüten zu verfeinern.

In Europa war aromatisierter Tee lange Zeit vollkommen unbekannt. Erst 1830 brachte der 2. Earl Grey ein Rezept für aromatisierten Tee nach England. Auf einer diplomatischen Reise durch China lernte der Earl den Vorzug der aromatisierten Teemischung kennen, die heute noch seinen Namen trägt. Für den klassischen Earl Grey Tee beträufelt man Schwarzen Tee mit einem ätherischen Öl, das aus der Schale der zu den Zitrusfrüchten gehörenden Bergamotte gewonnen wird. Mit diesem Tee begann der Siegeszug des aromatisierten Tees in Europa.

Die Möglichkeiten für das geschmackliche Verfeinern des Tees sind vielfältig. Mittlerweile sind über 120 Geschmacksrichtungen verfügbar, wobei die Aromastoffe entweder von Natur aus vorhanden oder später zugefügt werden. Man unterscheidet zwischen natürlichen, naturidentischen oder künstlichen Aromen.
Natürliche Aromen werden zum Beispiel aus Früchten, Pflanzen, Gewürzen oder Blüten gewonnen. Häufig angewendet wird die Gewinnung ätherischer Öle, die später zu den Teeblättern hinzugegeben wird. Auch das Untermischen getrockneter Blüten oder kandierter Früchte ist sehr beliebt.
Naturidentische Aromastoffe werden chemisch durch Synthese hergestellt. Das Endprodukt muss mit einem Aroma, das aus einem natürlichen Rohstoff gewonnen werden kann, chemisch identisch sein um als naturidentisch zu gelten. Diese Aromastoffe können aber auch durchaus natürliche Aromen enthalten.
Künstliche Aromastoffe kommen in ihrem chemischen Aufbau so nicht in der Natur vor und werden in der Regel nicht zum Aromatisieren von Tee verwendet.
Vielfach werden natürliche Aromen von den Verbrauchern bevorzugt, da chemisch hergestellten Aromen misstraut wird. Die naturidentischen Aromen haben aber eine Reihe von Vorteilen. So sind sie beispielsweise unter Hitzeeinwirkung, die beim Aufbrühen von Tee zwangsläufig vorhanden ist, stabiler und behalten Geschmack und Geruch. Sie überstehen auch längere Lagerung besser als ihre natürlichen Pedants und nicht zuletzt sind sie kostengünstiger. Hier erklären sich oftmals die Preisunterschiede von konventionellen Tees und Bio-Tees. Für Bio-Tee werden in der Regel die teureren natürlichen Aromen verwendet, während konventioneller Tee meistens mit naturidentischen Aromastoffen versehen wird.

Wichtig ist, dass der Aromastoff mit dem Tee harmoniert und seine Vorzüge hervorhebt. Das zugesetzte Aroma sollte den Tee nicht dominieren oder seinen natürlichen Geschmack überdecken.

Kommentare

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greg 1. Januar 2009

Ich glaube, das Problem sind eher diese Tees, bei denen man nur noch das Aroma schmeckt und die ansonsten minderwertigen Tee verwenden. Damit meine ich speziell diese merkwürdigen “Kreationen”, wie Grüntee “Rhabarber-Sahne” oder “Himbeer-Banane” und ähnliches, merkwürdiges Zeugs. Diese Tees schmecken nur noch künstlich!
Aber sie verkaufen sich anscheinend recht gut, wenn man mal in die Teegeschäfte schaut…

Antwort:
Hallo Greg,

Aromatees sind nunmal im Trend und viele „Teetrinker von Aromatees“ würden sonst wohl gar keinen Tee trinken. Dass für die Herstellung von Aromatees minderwertige Basis-Tees eingesetzt werden ist wirklich „quatsch“, denn hier gibt es mittlerweile auch von diesen merkwürdigen Teetrinkern sehr hohe Ansprüche. Man kann die Qualität trotz der zugegebenen Aromen immer noch sehr gut herausschmecken.

Es gibt halt verschiedene Arten Mensch, die Ohne-Aromatrinker und die Mit-Aromatrinker.

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